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Spanntechnik bringt Produktivitätsschub

Nullpunktspannsysteme

„Bei der Fertigung von Einzelstücken und Kleinserien liegen auch heute noch viele Potenziale brach", meint Stefan Maas, Inhaber von Maas Frästechnik. Vor allem in der Wahl der Spannmittel schlummern seiner Ansicht nach noch jede Menge Möglichkeiten. Gemeinsam mit Martin Schultheis von Qmax Plus Tooling + Engineering und SCHUNK hat er den eigenen Betrieb schrittweise auf Produktivität getrimmt.

Stefan Maas ist ein Macher durch und durch. Stillsitzen ist nicht sein Ding. Permanent detektiert sein Blick wo gerade Handlungsbedarf besteht und wo Optimierungspotenziale stecken. Mit einer einzigen Fräsmaschine war er vor gut zehn Jahren gestartet und hat seinen Betrieb innerhalb der vergangenen zwei Jahren von 12 auf heute 32 Mitarbeiter ausgebaut. Dass sich Maas nie mit dem Status Quo zufriedengibt, führte zu einer engen Kooperation mit Martin Schultheis von Qmax Plus Tooling + Engineering, einem Dienstleister der sich die Optimierung von Zerspanungsprozessen auf die Fahne geschrieben hat. Immer wieder tüfteln die beiden an den Prozessen – den eigenen ebenso wie denen, die im Kundenauftrag entwickelt werden. Sie feilen so lange an der Programmierung, den Werkzeugen und den Spannmitteln, bis eine maximale Produktivität erzielt ist und ausgereifte Prozesse in den eigenen Betrieb implementiert oder fix und fertig an die Kunden übergeben werden können. Dabei dient die Fertigung von Maas mitunter auch als Showroom und Schulungszentrum, denn so manche Strategie, die das Unternehmen im Laufe der Jahre für den eigenen Bedarf erfolgreich etabliert hat, lässt sich als Blaupause auf Prozesse von Kunden übertragen.

Unmittelbarer Vergleich

Bestes Beispiel: Die Ausstattung von mittlerweile drei 5-Achs-Maschinen mit einer durchgängigen Spannlösung des Kompetenzführers für Greifsysteme und Spanntechnik SCHUNK. Den Anstoß dafür hatte Martin Schultheis mit einer 5-Achs-Maschine gegeben, die er zur Entwicklung von Kundenprozessen gemeinsam mit Stefan Maas angeschafft hatte und die mit SCHUNK VERO-S Nullpunktspannmodulen ausgestattet war. „Wir hatten zuvor immer wieder überlegt, Nullpunktspanntechnik in der Einzelteilfertigung einzusetzen. Aber es ist, wie es immer wieder ist: Wenn der Anfang nicht gemacht wird, geschieht nichts." Innerhalb kürzester Zeit wendete sich das Blatt: Im täglichen Betrieb Seite an Seite mit herkömmlichen Spannmitteln wurde deutlich, wie groß die Vorteile des Nullpunktspannsystems waren. Während an der konventionell ausgestatteten 5-AchsFräse, die lange Zeit der Flaschenhals in der Fertigung von Maas war, mühsam gerüstet wurde, lief die DMU 50 ecoline von DMG Mori längst wieder. Für Stefan Maas war dies ein klares Signal: Wenn in ein neues 5-Achs-Zentrum investiert wird, dann nur mit Nullpunktspannsystem und mit einem durchgängigen Spanntechnikkonzept. Die Rechnung ist aufgegangen: Neben der DMU 50 sind heute jeweils ein Hermle C30 U und ein Hermle C42 U Bearbeitungszentrum mit der SCHUNK-Nullpunktspanntechnologie ausgerüstet und mit einem umfangreichen SpannmittelPool ergänzt, so dass ein Großteil aller denkbaren Kundenanforderungen auf Anhieb abgedeckt werden kann. „Wir haben Bauteile in der Größe eines kleinen Fingers und solche mit 500 mm Grundplatte. Das heißt wir sind gefordert, sehr schnell im Wechsel alle Möglichkeiten abzubilden und müssen oft für unsere Kunden die Feuerwehr spielen.", führt Stefan Maas aus. „Wenn jedes Mal ein Schraubstock mit sechs Pratzen rauf und runter gepratzt werden muss, ist das zu zeitintensiv, denn der Kunde zahlt das Rüsten nicht." Zentrales Element der Spannlösung sind SCHUNK VERO-S NSE plus 138 Nullpunktmodule, mit denen sämtliche Maschinentische in einem einheitlichen Stichmaß von 200 mm ausgestattet sind. So können die unterschiedlichen Spannmittel mit wenigen Handgriffen zwischen den einzelnen Maschinen gewechselt werden. „Ich brauche keine Schraube anzuziehen, keine Unterlegscheibe suchen, keinen Schlüssel. Sämtliche Spannmittel sind präzise und fest mit der Maschine verbunden. Die Spannsituation ist immer identisch, ohne dass irgendetwas ausgerichtet werden muss. Und die Flexibilität ist einfach sensationell", schwärmt Stefan Maas.

Spannpyramide ermöglicht effiziente Mehrfachspannung

Radial angeordnete Spannschieber ziehen bei SCHUNK VERO-S die Spannbolzen ein und verriegeln diese selbsthemmend und formschlüssig über ein Federpaket. Die Fixierung beziehungsweise Positionierung erfolgt über einen Kurzkegel, wodurch eine Wechselwiederholgenauigkeit < 0,005 mm gewährleistet ist. Jedes Modul erzielt dank patentiertem Eil- und Spannhub Einzugskräfte von 7.500 N. Mit aktivierter Turbofunktion beträgt die nachgewiesene Einzugskraft 25.000 N. Die Haltekraft liegt bei 50.000 N. Aufgrund der speziellen Geometrie der SCHUNK VERO-S Spannbolzen ist auch eine außermittige und damit besonders einfache Beladung der Module möglich, ohne dass die Spannbolzen verkanten. Um die Lebensdauer und Prozesssicherheit zu erhöhen, sind sämtliche Funktionsteile der VERO-S Module in gehärtetem Edelstahl ausgeführt und damit absolut korrosionsbeständig. Zudem sind die Module komplett abgedichtet und damit vor Verschmutzungen und Kühlschmiermittel geschützt. Aus dem über 1.000 Varianten umfassenden SCHUNK VERO-S Spannmittelbaukasten nutzt Maas insbesondere die Spannpyramiden. „Wenn man bei der 5-Achs-Bearbeitung alle Seiten erreichen will, kann man im Grunde nur über das Zentrum spannen. Sobald ich zwei Bauteile nebeneinander aufspanne ist auf einer Seite immer ein Bauteil im Weg", erläutert Stefan Maas. Die SCHUNK VERO-S Spannpyramide mache genau diesen Nachteil wett: „Ich bin von der Zugänglichkeit relativ frei und kann die Schraubstöcke je nach Situation auch noch beispielsweise um 90° drehen. Ich habe also ein Mehrfachspannsystem und nutze zugleich die Vorteile der Mehrseitenbearbeitung." So ließen sich mehrere Teile nacheinander bearbeiten, ohne dass ein Bedienereingriff erforderlich ist. Zugleich sinken die Zeiten für den Werkzeugwechsel, da immer vier Teile unmittelbar nacheinander mit ein und demselben Werkzeug bearbeitet werden können. „Mit der Pyramide ist es unerheblich, ob ich vier identische Teile in Serie oder vier Einzelteile bearbeite, denn ähnliche Einzelteile kann ich jederzeit auf der Pyramide bündeln", erläutert Stefan Maas. Voraussetzung sei lediglich die Programmierung im CAD/CAM-System und eine verlässliche Simulation. Seine Idee geht sogar noch weiter: „Meine Vision ist, dass wir irgendwann vier unterschiedliche Nullpunkte auf der Pyramide haben und komplett unterschiedliche Bauteile bearbeiten können."

Flache Spanner mit Backenschnellwechsel

Kombiniert wird die VERO-S Spannpyramide mit manuell betätigten SCHUNK KONTEC KSC 125 Spannblöcken, in den Längen 160 mm und 300 mm. Die hocheffizienten Allrounder für die Roh- und Fertigteilbearbeitung vereinen hohe Spannkräfte, eine komfortable Bedienung und kurze Rüstzeiten. Bereits mit vergleichsweise geringem Drehmoment erzielen sie hohe Spannkräfte von 35 kN, so dass zum formschlüssigen Spannen auf eine separate Prägestation komplett verzichtet werden kann. Da die Spannung auf Zug erfolgt, wird die Biegebelastung am Grundkörper und damit das Aufbäumen der Spanner minimiert, was der Genauigkeit und Steifigkeit der Spannung zugutekommt. Ein vorgespanntes Zentrumslager ohne Spindelumkehrspiel sowie extra eingepasste Schieber gewährleisten eine exzellente Wiederholgenauigkeit von +/- 0,015 mm. Der vollständig gekapselte Antrieb sowie ein integrierter Späneabfluss sorgen für eine besonders hohe Prozessstabilität und minimalen Verschleiß. Dank Backenschnellwechselsystem können werkstückspezifische Spannbacken mit wenigen Handgriffen gewechselt und ein breites Werkstückspektrum abgedeckt werden. Aus Sicht von Martin Schultheis ist der KSC der ideale Spanner für die Anwendung: „Der KSC baut auf der Pyramide sehr flach und ist mit dem Schnellwechselsystem hochkompatibel für die erste und die zweite Spannung. Zudem gewährleistet er eine hohe Präzision. Und über das SCHUNK Backenprogramm können unterschiedlichste Materialen und Bearbeitungen realisiert werden", so Schultheis.

Standardisierung als Erfolgsrezept

Für eilige Aufträge, die Stefan Maas zwischendurch immer wieder realisieren muss, wird die Spannpyramide kurzerhand ausgewechselt. So können bis zu 800 mm lange Teile in SCHUNK KONTEC KSC Schraubstöcken unmittelbar auf dem Maschinentisch bearbeitet werden. Alternativ lassen sich zylindrische oder flache Bauteile mithilfe der SCHUNK Spannzangenaufnahme oder der SCHUNK SPM Spannmembran auf der fünften Seite der Pyramide spannen. „Wir sind eine klassische Einzelteilfertigung, bei der es darauf ankommt, sehr flexibel auf der Maschine zu sein. Es nutzt mir nichts, wenn ich einen Mercedes habe und den mit Schubkarrenreifen ausstatte", unterstreicht Maas. Gerade in puncto Spanntechnik sehen sowohl er als auch Martin Schultheis noch erhebliche Potenziale in etlichen Betrieben: „Der Erfolg in der Zerspanung steht in Zukunft auf drei Säulen: Der CAD/CAM-Programmierung, der Standardisierung von Werkzeugen und der Standardisierung der Spanntechnik. Vor allem bei der Spanntechnik gibt es heute noch reichlich Potenzial", sagt Martin Schultheis. „Es geht nicht darum, das Hamsterrad immer schneller zu drehen, denn die Möglichkeiten der Werkzeuge sind weitgehend ausgeschöpft." Wesentlich effizienter sei es, aktuelle Spanntechnologien wie die von SCHUNK intelligent zu nutzen, auch wenn die Investition dafür zunächst etwas höher ist. „Wir haben modernste Maschinen, die genau das bringen, was auf dem Markt in einer 5-Achs-Maschine simultan verfügbar ist. Wir haben das maximale Werkzeugmagazin und die Standardisierung der Werkzeuge komplett realisiert. Wir haben das SCHUNK Nullpunktspannsystem drauf und eine Pyramide, um Mehrfachspannungen zu realisieren und den Maschinenraum vollständig auszunutzen. Damit ist das Maximum erreicht", fasst Martin Schultheis zusammen. „Fakt ist, die meisten dieser Investitionen rechnen sich innerhalb von einem Jahr, viele sogar darunter."

Anwender

Stefan Maas Frästechnik fertigt Präzisionsteile für die verschiedensten Branchen. Das Leistungsspektrum umfasst die Bearbeitung von Prototypen, Einzelteilen und Kleinserien in Stahl, Edelstahl, Aluminium, Nichteisenmetallen und Superlegierungen in Stückzahlen zwischen 1 und 100 Teilen. CAD/CAM-Systeme neuester Generation, auf Flexibilität getrimmte 5-Achs-Maschinen sowie modernste Werkzeugtechnik gewährleisten hocheffiziente Prozesse und kurze Lieferzeiten.

Stefan Maas Frästechnik

Kreuzwiese 4a
67806 Rockenhausen
Tel. +49-6361-92917-0
www.maas-fraestechnik.de

Hersteller

Heinz-Dieter SCHUNK GmbH & Co. Spanntechnik KG
Lothringer Str. 23
D-88512 Mengen
Tel. +49-7572-7614-0
www.schunk.com

 

Schwenktisch 1

Die Kombination aus Schwenktisch, VERO-S Nullpunktspannsystem und VERO-S Spannpyramide ermöglicht bei Maas Frästechnik eine effiziente Fertigung kleinster Losgrößen.

Schwenktisch 2

Freie Zugänglichkeit: Die VERO-S Spannpyramide und das schlanke Hydro-Dehnspannfutter TENDO Slim 4ax gewährleisten eine wirtschaftliche Bearbeitung auf fünf Seiten.

Pyramide

Innerhalb einer Minute lässt sich die komplette Spannpyramide mit einer Wiederholgenauigkeit 0,005 mm einwechseln. Bei einer Rüstzeitersparnis von 20 Minuten/Wechsel und durchschnittlich zwei Wechseln pro Tag summiert sich die Einsparung auf rund 13.000 €/Jahr.

KONTEC KSX

Der hohe, kraftverstärkte 5-Achs-Spanner SCHUNK KONTEC KSX sorgt für eine optimale Zugänglichkeit. Seine Spannkraft kann stufenlos eingestellt werden.

 

Spannzangenaufnahme 1

Mit wenigen Handgriffen wechselt Maschinenbediener Sebastian Fuchs die SCHUNK VERO-S Spannzangenaufnahme.

Spannzangenaufnahme 2

Maximale Flexibilität: Sogar die fünfte Seite der SCHUNK VERO-S Spannpyramide kann bei Schnellschüssen zur Bearbeitung genutzt werden, hier beispielsweise zur Spannung eines zylindrischen Teils in einer SCHUNK VERO-S SEZ Spannzangenaufnahme. Die Bearbeitung erfolgt mit dem schwingungsdämpfenden SCHUNK Hydro-Dehnspannfutter TENDO Slim 4ax.

Spannmembran

Mit der Spannmembran SCHUNK VERO-S SPM lassen sich filigrane Teile unterschiedlicher Spanngeometrien in Sekundenschnelle spannen. Hierfür muss die Spannkontur lediglich einmal ausgefräst werden.

 

 

Stefan Maas

„Mit der SCHUNK Spannlösung arbeiten wir heute wesentlich effizienter und können bei eiligen Aufträgen sehr schnell reagieren."

Enge Zusammenarbeit

Kaum ist eine Aufgabe gelöst, tüfteln die Teams von Maas Frästechnik und Qmax Plus mit SCHUNK an der nächsten Herausforderung. Das Bild zeigt v.l.: Thomas Welker (Fachberater SCHUNK), Oliver Wittelsberger (Technischer Innendienst Qmax Plus), Martin Schultheis (Geschäftsführer Qmax Plus), Stefan Maas (Inhaber Maas Frästechnik), Sebastian Fuchs (Maschinenbediener Maas Frästechnik).

 

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